Arbeitest du lieber mit Puppen oder Menschen, Kai Anne Schuhmacher?

24 04 2019

Du bekommst einen Reisegutschein geschenkt – wohin geht’s?
Mit dem Transsibirienexpress nach Moskau und dann weiter zum Nordpol. In Sibirien möchte ich die Polarlichter und am Nordpol die Eisbären sehen, die es vllt. bald nicht mehr geben wird. Ich denke der Nordpol ist einer der Orte dieser Erde, die uns große Demut lehren können.

Lieber mit Puppen oder mit “echten” Menschen arbeiten?
Das ist eine lustige Frage, denn natürlich steckt hinter jeder geführten Puppe ein echter Mensch. Ich komme eigentlich aus dem Schauspiel- und Musiktheaterbereich. Die intensive Arbeit mit Figuren und Material betreibe ich erst seit vier Jahren. Gerade inszeniere ich eine Oper mit Sängern und Puppenspielern. Beide Genres folgen in der Probenarbeit ganz anderen Regeln und die Schwierigkeit besteht darin, trotzdem beides zusammen zu führen. Mit Menschen kommt man definitiv schneller ans Ziel, denn allein der Auftritt einer Puppe kann sich so schwierig gestalten, dass dafür eine ganze Probe drauf geht. Aber die kleinen magischen Dinge, wie das Fliegen, und das wunderbare Sterben von Puppen, das können Menschen eben nicht.

Warum hast du dich für Auftakt beworben?
Alle Theatertexte, Libretti und Stückentwicklungen, die ich bisher geschrieben habe, habe ich auch selbst inszeniert. Das finde ich mittlerweile ein bisschen schade, denn ein Theaterstück oder ein Libretto lebt ja von den Assoziationen anderer Menschen (Schauspieler/-innen, Regiesseur/-innen, Musiker/-innen, Ausstatter/-innen), die die Worte auf dem Papier dann zum Leben erwecken. Ich glaube es ist eine tolle Chance für die Autoren ihre Texte für ein paar Tage loszulassen und ihrer selbstständigen Entwicklung zuzusehen.
Ich finde Texte für Theater sind im Gegensatz zu Romanen oder Gedichten, ja keine abgeschlossenen Kunstwerke, sondern sie entwickeln erst wenn sie aufgeführt werden ihr volles Potenzial und all ihre Facetten. Und das ist bei jeder Inszenierung, manchmal sogar bei jeder Aufführung anders. Das empfinde ich als total spannenden Prozess.
Ich habe mich bei Auftakt als Künstlerin beworben, weil ich gerne mal wieder die Seiten wechseln möchte. Ich möchte spielen und habe große Lust darauf einen Theatertext mit Stimme, Körper und Material zu untersuchen. Außerdem bin ich total neugierig darauf wie die Autoren die Umsetzung ihrer Texte dann empfinden, was sich für sie dadurch geändert hat und ob wir als Künstler es schaffen, dass der Text ein Eigenleben entwickelt.

Kai Anne Schuhmacher, Jahrgang 1988, lebt in Köln und arbeitet seit 2015 freischaffend als Regisseurin, Librettistin, Autorin von Theaterstücken, Figurenspielerin und Puppenbauerin in ganz Europa. Nach Studien der Musik-, Theater- und Kommunikationswissenschaft an der Universität Bayreuth und der Università degli Studi Ferrara erhielt sie ihr Regiediplom für Musiktheater an der Universität für Musik und Darstellende Kunst Wien. Es folgten Fortbildungen am Figurentheaterkolleg Bochum. Zur Zeit ist Kai Anne Schuhmacher Artist in Residence am Puppentheater Gera. Mit dem „Notabu.Ensemble Neue Musik“ und dem Spectra Ensemble“ inszenierte sie 2015 Berios „Recital for Cathy“ in der Tonhalle Düsseldorf und dem De Bijloke Muziekcentrum Gent. Im Folgejahr gab sie mit Benjamin Brittens „The Rape of Lucretia“ an der Oper Köln ihr Regiedebüt, eine Produktion, die von „Welt“ zur besten Inszenierung eines Stückes nach 1945 gewählt wurde und ihr Folgeaufträge für „Pierrot Lunaire“ und „Hoffmanns Erzählungen für Kinder“ am gleichen Haus sicherten. Neben dem Staatstheater Mainz, Theater und Philharmonie Thüringen und der Nederlandse Reisopera konzentriert sich Schuhmachers Inszenierungsarbeit vor allem auf die Arbeit mit freien Gruppen, die im Bereich des Musiktheaters neue Wege anstreben und multimediale Formen im urbanen Raum suchen. 2016 rief sie das Kooperationsprojekt „OperaIndonesia“ ins Leben, ein Crossover-Projekt bei dem europäische und indonesische Schauspieler, Puppenspieler, Tänzer und Musiker das Musiktheaterstück »Higher« zur Uraufführung brachten. Ihre größte intermediale Text- und Regiearbeit war „Re:Play – Our Game, your Choice“, die im Rahmen des Festivals Out of Control im Dezember 2017 im ehemaligen K&K Telegrafenamt in Wien gezeigt wurde.
Kai Anne Schuhmacher ist in ihrer Funktion als Regisseurin, Figurenspielerin und Puppenbauerin
Mitglied des „Ensemble Eikona – Kammermusikalisches Figurentheater“

Weitere Blogartikel

Vorfreude steigt!

21 05 2019

Wir stellen vor: Kai Anne Schumacher im Interview. Vorfreude auf ein tolles Festival mit der vielseitigen Theatermacherin.

weiterlesen

GEFÖRDERT DURCH

förderer

IMPRESSUM

Angaben gemäß § 5 TMG

Land in Sicht GbR
Gleueler Straße 43
50931 Köln

Kontakt:
info@landinsicht.koeln
auftakt@cheersforfears.de

Web:
landinsicht.koeln

Vertreten durch:
Kevin Kader

Verantwortlich für den Inhalt nach § 55 Abs. 2 RStV:

Land in Sicht GbR
Gleueler Straße 43
50931 Köln

Webdesign & Gestaltung:
Mario Frank

Haftungsausschluss