Mit welcher Person aus dem Kunstbetrieb würdest du gerne mal ein Eis essen, Liat Fassberg?

19 05 2020

auftakt: Speaking of “In the name of“: Warum haben die Stimmen in deinem Stück keine Namen?

Ich glaube, die interessantere Frage wäre, warum wir uns wünschen, dass es hier Namen gäbe. Was würden Namen dem Stück hinzufügen? Was würden sie uns erlauben? Ich versuche, jede Form von Repräsentation zu vermeiden. Die im ersten Teil von In the Name of geschilderten Erfahrungen werden von Tausenden von Menschen auf der ganzen Welt geteilt – über 2000 Kinder in Israel, über 300.000 Fälle in Spanien, ca. eine halbe Million Familien in Australien.  Wie kann ich dies im Rahmen eines Theaterstücks erfassen?  Wie kann ich es ermöglichen, dass diese Erfahrungen zur Sprache kommen, ohne in Mitleid mit den Menschen zu versinken, die sie durchlebt haben? Wie kann ich diese Geschichten erzählen, ohne diese Menschen zu bloßen Opfern zu machen?

auftakt: Wie ist es für dich in einer Sprache zu schreiben, die nicht deine Muttersprache ist?

Verblüffend, das finde ich ein gutes Wort dafür – es platzt so in der Mitte und kann unterschiedlich interpretiert werden. Der Abstand, den ich zur deutschen Sprache habe, erlaubt es mir, die Sprache beim Schreiben zu untersuchen – was die Sprache (er)schaffen kann, wie Formulierungen wirken…. Ich entdecke die Sprache und die Denkweisen, die mit dieser Sprache verbunden sind, während ich schreibe. Manchmal schreibe ich ein Wort, und meine Korrekturleser*innen fragen, was ich damit meinte, ob ich es so oder so gemeint habe, denn für sie bedeutet oder eröffnet es das und das und das. Und ich höre zu und denke, eigentlich meine ich es nicht so, oder nicht nur so, oder nicht genau so, aber ich finde es super, dass es auch so und so und so wirkt.

auftakt: Mit welcher Person aus dem Kunstbetrieb würdest du gerne mal ein Eis essen?

Tillie Walden. Walden ist Cartoonist und Illustrator (ich nutze hier die englischen Begriffe, um die genderspezifischen Pronomen zu vermeiden), und hat u.a On a Sunbeam geschrieben. Den Umgang mit Identität und Geschichte in dieser graphic novel finde ich sehr spannend und die Zeichnungen sind atemraubend. Ich stelle mir vor, es könnte ein schöner Eistausch sein…

Liat Fassberg, geboren 1985 in Jerusalem, Israel, ist Dramaturg*in und Dramatiker*in, und realisiert Projekte in Zusammenarbeit mit verschiedenen Künstler*innen in Israel und Deutschland. Fassberg ist Dramaturg*in des israelischen Künstler*innenkollektivs „PathosMathos“ und Ausschussmitglied des hebräischen Komitees „Eurodram“. Für das Stück Etwas Kommt Mir Bekannt Vor erhielt Fassberg 2017 den Retzhofer Dramapreis. Uraufgeführt würde das Stück im Wiener Burgtheater im April 2018. Fassberg ist Preisträger*in des Gargonza Arts Award 2020 in der Sparte Literatur. Das Stück In the Name of (erster Teil) (2020), das auf dem auftakt festival eine erste künstlerische Interpretation erhalten wird, entstand im Rahmen des UniT Schreibprogramms ForumText.

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