Rappst du auch unter der Dusche, Frederik Schreiber alias Schlakks?

19 05 2020

auftakt: Warum eigentlich Schlakks?

Zu Schulzeiten wurde mir zwischenzeitlich nachgesagt, schlacksig zu sein. Für einige Wochen war „Schlacks/Schlacksi“ dann so etwas wie meine Spitzname. Zufälligerweise fing ich gerade in dieser Zeit an zu rappen und brauchte offenbar einen Namen. Das ist der Grund, warum sich „Schlakks“ jetzt schon seit fünfzehn Jahren hält. Sonst wäre der Name wahrscheinlich schnell wieder verschwunden.

auftakt: Rappst du auch unter der Dusche?

Eher selten. Manchmal ein paar Fragmente, wenn ich gerade Texte schreibe. Ansonsten ist Duschen ist aber eine mußevolle Nicht-Zeit, in der ich tendenziell schweige.

auftakt: Stell dir vor du kannst nur eine einzige Schallplatte mit auf eine verlassene Insel nehmen – welche wählst du aus?

Das ist fies, das wisst ihr. Zufälligerweise habe ich schonmal eine halbe Nacht mit der Diskussion um diese Frage verbracht, ohne Antwort. Ein Freund hat einen Teil unserer Diskussion allerdings heimlich aufgenommen. Darum hier ein kleiner, transkribierter Ausschnitt als Antwort auf eure Frage:

M: „(…). Vergiss es! Alleine im Soulbereich gibt’s so monster Sachen.“

R: „Das Problem ist daran, dass du dann…das ist so, als wenn du dein Lieblingslied als Wecker einstellst. Weil du das die ganze Zeit hören musst dann.“

(zustimmendes Lachen)

J: „Die Zeit auf der Insel wird brutal, auf jeden Fall.“

F: „Im Prinzip isses die gleiche Diskussion, die wir am Anfang mit dem…Lieder, die man als junger Mensch gut fand, weil das ja auch genau darauf hinaus..“

L: „Leute! Ich hab‘ noch ’nen ganz anderen Punkt!

F: „Ja klar!“

L: „Wenn man jetzt diese Musik, wenn sie so beschränkt für…für…für sich alleine gar keinen Sinn macht, macht Musik vielleicht nur Sinn im Kontext mit anderen Menschen?!

(Klatschen und zustimmende Geräusche)

L: Also, ich meine jetzt, wenn man NUR alleine ist – und diese Musik nicht teilen kann…

M: „Ja, stimmt, dann haste auch nix davon.“

F: „Ja gut, aber dann könnte ich jetzt Joy-Divison-Dinger komplett an den Nagel hängen.

S: „Ich wollte gerade sagen, ich hör in meiner WG nur Musik alleine“

(verschiedene Leute reden gleichzeitig, Aufregung, akutstisches Unverständnis)

Fotocredit: Fabian Ritter

Schlakks aus Dortmund betreibt poetisch-partyerprobten Rap für zweifelnde Begeisterte und die, die es mal werden wollen. Auf der Suche nach den letzten Inseln der Freiheit ist er vor allem als Live-MC bekannt. Auch wenn er sich wohlfühlt in seinem subkulturellen Nest und regelmäßig die gepflegte Ekstase erprobt, so kommt er nicht drumherum die Unordnungen der Gesellschaft des Spektakels zu thematisieren. Schlakks zweifelt allerdings nicht nur an der Welt da draußen, sondern auch an der Welt in sich, zeigt Schwäche, zögert, stellt in Frage. Verdichtete Verse fliegen dabei mit eindeutigen Statements zusammen. Und eigentlich glaubt er daran, dass wir wissen, wie es besser geht. Wenn Schlakks gerade nicht auf der Bühne steht oder schreibt, betreibt er mit seinem Kollektiv den Club „Rekorder“ im Dortmunder Norden, gibt Rap-/Schreib-Workshops, lehrt als freier Dozent an der TU Dortmund zu den Themen „Schreiben.Performen“ und „Kultur selber machen“ und schaut aus dem Fenster.

Divider

auftakt wird gefördert durch:

förderer

IMPRESSUM

Angaben gemäß § 5 TMG

Land in Sicht GbR
Gleueler Straße 43
50931 Köln

Kontakt:
info@landinsicht.koeln
auftakt@cheersforfears.de

Web:
landinsicht.koeln

Vertreten durch:
Kevin Kader

Verantwortlich für den Inhalt nach § 55 Abs. 2 RStV:

Land in Sicht GbR
Gleueler Straße 43
50931 Köln

Webdesign & Gestaltung:
Mario Frank

Haftungsausschluss